The Real Cats

© Bastian Pusch, 2010

Presse 2007-05

Lässiger Groove wie eine Sommerbrise

The Real Cats in Holzkirchen

“jazz-Standards sind nicht so lustig. Außerdem muss man sich wahnsinnig konzentrieren!” Klar, dass Bandleader Bastian Pusch das ironisch meinte. Denn selten wird man so eine luftig-leichte Vorstellung auf höchstem musikalischen Niveau erleben, bei der auch der Spaß nicht zu kurz kommt.
Nicht nur Jazz-Standards möbelt das Münchner Trio The Real Cats gekonnt auf: Vom Bossa Nova bis zum Blues, von Rock bis Reggae befindet sich jede denkbare Musikrichtung im schier unerschöpflichen Repertoire der spielfreudigen Profis. Sogar Bigband-Sound schallte durchs Holzkirchner Foolstheater, so dass man sich verwundert die Augen rieb und noch mal nachsah, ob tatsächlich nur drei auf der Bühne standen: Pusch (Piano, Gesang), Tom Peschel (Bass, Gesang) und Wolfgang Peyerl (“Schlag- und Spielzeug”).
Klassiker übersetzt Pusch “fast eins zu eins”, wie er diabolisch grinsend bemerkt. So wird aus Sinatras “Fly me to the moon” “Schieß mich auf den Mond”. Eigenkompositionen arrangiert er unkompliziert mit witzigen Texten. Treffsicher nimmt er es dabei mit Bruno-Braunbärs Fressvorlieben auf und schnippt dazu lässig den Rhythmus “schnipp-schnapp-schnappauf”. Bei den Rhythmen des Latin-Stücks “Dos Gardenias” ging Puschs südländisches Temperament mit ihm durch: Wunderbar witzig persiflierte er denheißblütigen Macho und hatte danach Mühe, seinen spanischen Spracheinschlag wieder loszuwerden.
Pusch bekennt sein Faible für die “Lyrik des Alltags”. Und so entstehen Kunstwerke wie der “PC-Benutzer-Blues”, bei dem Windows-Fehlermeldungen musikalisch verwertet werden. Ob er die Liebesgeschichte zweier Aluminiumdosen zwischen Supermarktregal und Recyclingcontainer erzählt oder seine Münchner Frauengeschichten in eine eingängige Mitswing-Version packt: Die locker-flockigen Texte kommen im lässigen Groove leicht wie eine Sommerbrise daher. Dabei fliegen die Hände wie von allein über die Tasten des Keyboards - Ganzkörpereinsatz und mimische Komik gehörten ebenso dazu, wie der Kontakt zum Publikum. Der Refrain “Sag ihm, er kann geh’n wo der Pfeffer wächst” inspirierte den charmanten Unterhalter nicht nur zu einem längeren Ratsch über Pfefferanbaugbiete - spontan entstand im Nu ein neues Stück mit dem Titel “Pfeffer aus Madagaskar”. Kein Wunder, dass die Zuschauer begeistert mitmachten, als sie ihre Wünsche äußern durften. So wurde das “Katzenklo” kurzerhand in eine kubanische Version umgemodelt. Beim Rockklassiker “Highway to hell” konnte sich der Schlagzeuger einmal richtig austoben, und die rasant dargebotene Titelmelodie des Aktuellen Sportstudios versetzte nicht nur die Männer in Ekstase. Zum Schluss mehrere Zugaben und schließlich, nach drei Stunden glänender Unterhaltung, ein schmusiges Instrumental als Rausschmeißer. Was für ein Abend.

Birgit Echtler
Münchner Merkur, Holzkirchen, 06.05.2007

Letzte Änderung: 30/06/11